In der Samstags-Ausgabe des St. Galler Tagblatts äussert sich der Präsident des Schweizer Verbandes für Krisenkommunikation zum Kommunikationsdesaster des FC St.Gallen.
ST.GALLEN. Der Kanton St.Gallen erfüllt die Forderung nach mehr Transparenz und publiziert ergänzendes Zahlenmaterial zur Sanierung der AFG-Arena- Gesellschaften. Ein Akt des Nachbesserns im Schockzustand, doch die Kritik bleibt – zumal am «katastrophalen Krisenmanagement».
«Weckt ungute Gefühle»
Weit weniger Fachwissen braucht es für die Erkenntnis, dass die Kommunikation versagt hat. Da ist sich das Publikum einig – vom Stehplatz bis zur teuersten Loge. Roger Huber, Präsident des Schweizer Verbandes für Krisenkommunikation mit Sitz in St. Gallen, bringt es auf den Punkt: «Der Auftritt des FC St.Gallen ist missglückt. Erneut wurde es verpasst, Transparenz zu schaffen, erneut wurde die Emotionalität beim Faktor Geld unterschätzt. Wer immer wieder Geld von den Steuerzahlern fordert, muss transparent sein, sonst verliert er das Vertrauen und wird angreifbar. Der Fall Swissair – nicht nur in der Kommunikation – hat gezeigt, dass solches Gebaren und Intransparenz in einer Katastrophe endet.»
Huber urteilt weiter: «Ein Krisenmanagement war und ist nicht vorhanden. Man hat die bestehenden Probleme wieder nicht auf den Tisch gebracht. Es war ein arroganter Auftritt. Man fordert viel, ist aber nicht bereit, etwas zu geben. So blieben mögliche Sponsoren und Investoren im Dunkeln. Das weckt ungute Gefühle. Muss man etwas verstecken?»
«In Sackgasse manövriert»
Die Kommunikation war höchst unprofessionell, urteilt der Kommunikationsberater. «In Krisensituationen gibt es nur eine Stimme, die die Botschaften gegen aussen vertritt.
Am Donnerstag haben aber höchst unterschiedliche Personen unterschiedliche Aussagen abgegeben. Zurück bleibt ein verstörtes Publikum.» Damit aber habe sich der FCSG «in eine Sackgasse manövriert».
Gibt es Aussicht auf Besserung? «Es wird schwierig. In der jetzigen Situation wird kein Geld für einen uneinsichtigen Sportclub fliessen.
Nur wenn der FCSG sofort auf Transparenz setzt, wenn ein kompetenter Krisenmanager demütig die Positionen des Clubs vertritt und endlich eine echte Bereitschaft herrscht, die dringend nötigen personellen und strukturellen Veränderungen umzusetzen, dann könnte der Wind drehen.» Hubers Schlussfolgerung: «Der FCSG leidet am Swissair-Syndrom, denn das Management des Fussballclubs hat interne Strukturen, die es verhindern, eine klare Aussensicht wahrzunehmen. Dies zeigt sich übrigens auch bei den meisten anderen Schweizer Fussballclubs.
Deren Kommunikation ist bedenklich schwach.»
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