Jäger Rolf: “Strafuntersuchung und Medien im Spannungsfeld der Interessen”. 2010, Dike Verlag AG Zürich/St. Gallen (www.dike.ch). ISBN 978-3-03751-304-0.
von Fritz Lehmann,
Wie Katz und Maus sei das Verhältnis zwischen Juristen und Öffentlichkeitsbeauftragten, sagt man. Es geht aber auch anders, und das zeigt ein Praktiker der Juristenzunft: Dr. Rolf Jäger. Seine Dissartationsarbeit “Strafuntersuchung und Medien im Spannungsfeld der Interessen” beruht auf Praxisbeispielen, die er systematisch analysiert und beurteilt. Er berücksichtigt dabei sowohl das Medienrecht wie auch das solide Handwerk der Medienarbeit.
Rolf Jäger ist Leitender Staatsanwalt in Winterthur, er hat seine Erfahrung im Umgang mit Medien auf praktische Weise erworben, beispielsweise als er zuständig für die Aufklärung des Fraumünsterpostraub war. Seine Fallbeispiele haben durchwegs Wiedererkennungswert, so etwa der Fall mit dem ehemaligen Armeechef oder dem Organisator der ehemaligen “Diamantfeiern”, einem Generalstabsobersten.
Wann darf, soll oder muss ich an die Öffentlichkeit gelangen? So lautet die Frage des Kommunikationsbeauftragten durchwegs. Verletze ich juristische Regeln oder schaffe ich Präjudizien? Jäger – und da tritt der erfahrene Praktiker in den Vordergrund – hält Checklisten bereit, die dem Anwender dienliche Instrumente für Entscheidfindungen sind. Er zeigt, wo juristischer Spielraum besteht, wo der Krisenkommunikator Spielregeln verletzt oder sogar Grenzen überschreitet. Grauzonen und die Dilemmata werden angesprochen, Fälle also, für die keine Standardrezepte zur Verfügung stehen.
Man merkt, dass der Autor Erfahrung in der Medienarbeit hat, ganz im Gegensatz zu den selbsternannten Kommunikationsexpertinnen und -experten, die sich jeweils ungerufen andienen. Jägers Buch ist deshalb nützlich, weil es die optimale Mischung aus juristischer und medialer Praxis enthält.
Aber alles regeln lässt sich halt nicht, besonders nicht die Unwägbarkeiten der unstrukturierten medialen Verläufe. Dies führt denn auch zu Jägers Fazit, das für gegenseitiges Vertrauen und Respekt wirbt.
Gerade Krisenkommunikatoren – auch ohne juristische Ausbildung – werden dieses Buch anwenden können, denn seine Gliederung ist übersichtlich, die Querverweise verständlich und der Text fasslich. Es gehört schlicht und einfach griffbereit in den Bücherschrank des Kommunikationspraktikers!
Jäger Rolf: “Strafuntersuchung und Medien im Spannungsfeld der Interessen”. 2010, Dike Verlag AG Zürich/St. Gallen (www.dike.ch). ISBN 978-3-03751-304-0.